3. Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams

Alpenüberquerung Fernwanderweg E5 Oberstdorf Meran, 3. Etappe von Memminger Hütte zur Skihütte Zams, E5 Wanderweg führt zu Beginn der dritten Etappe ab der Memminger Hütte über steilen und ausgesetzten Wanderweg über die Seescharte, Blick auf kristallklaren Bergsee während Aufstieg zur Seescharte auf sehr schmalen Wanderweg über viel Geröll, Aussicht auf Berge der Alpen

Nach der für uns sehr langen und anstrengenden 2. Etappe, die erst nach 18 Uhr endete, sind wir optimistisch, dass der heutige Tag nicht allzu schwer wird. Denn auf der 3. Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams geht es nur ca. 500 Höhenmeter bergauf und das ist weit weniger als halb so viel wie gestern. Dafür müssen wir heute fast 2.000 Höhenmeter abwärts, aber das dürfte die Kondition nicht allzu stark fordern. Um ausreichend Zeit zu haben und nicht hetzen zu müssen, brechen wir früh am Morgen auf. Außerdem wollen wir nicht erst wieder so spät bei der nächsten Hütte eintreffen.

Steil aufwärts zur Seecharte

Die heutigen Höhenmeter aufwärts sind nicht allzu viele und dennoch haben diese es in sich. Von der Memminger Hütte sehen wir schon das 1. Zwischenziel für heute, die von hier unerreichbar zu scheinende Seecharte. Rechter Hand passieren wir den mit Nebelschwaden überzogenen Seewisee. Der Aufstieg zur Seecharte ist sehr steil und scheint unüberwindlich. Ein Weg nach oben ist nicht ersichtlich.

Der höchste Punkt der Etappe und endlich Sonnenstrahlen

Es ist ungewöhnlich kalt heute und so steigen wir mit Mütze und Handschuhe ausgestattet aufwärts. Im Schatten des Berges scheint der Weg unendlich weit und ist des Öfteren ziemlich gefährlich. Ständig bleibe ich stehen um zu Verschnaufen und neue Kraft zu sammeln. Nach der gestrigen Etappe, stecken die Kilometer noch in den Knochen. Mit Näherkommen des Sattels sieht man, dass man voran kommt, wenn auch langsam. Nach Überwindung der Seecharte erreicht man nicht nur den höchsten Punkt der heutigen Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams, sondern auch endlich wärmende Sonnenstrahlen. Sichtlich erleichtert machen wir erstmal eine Pause.

Der Beginn unzähliger Höhenmeter – abwärts

Nun folgt für lange Zeit ein mal mehr und mal weniger steiler Wanderweg abwärts. Auf sehr schmalem Kieselweg geht es steil hinunter ins Lochbachtal. Nach einiger Zeit wird es schmerzhaft gerade runter zu gehen. Die Zehen drücken des Öfteren vorne gegen den Schuh. Um keine Blasen zu bekommen, gehe ich einige der unzähligen Serpentinen seitwärts. Zu erwähnen ist hier, dass wir während der gesamten Wanderung nicht mal ein winziges Anzeichen einer Blase hatten. Dies liegt definitiv an der sehr guten Investition in richtige Bergschuhe.

Ins feine Lochbachtal

Der Weg hinab zieht sich in die Länge und das Lochbachtal kommt nicht näher. Endlich angekommen bei der kleinen Hütte der Oberlochalm machen wir eine wohlverdiente Pause. Wer auf eine Brotzeit oder ein kühles Getränk hofft, wird jedoch jetzt im September enttäuscht, denn die Alm ist nicht bewirtschaftet. Weiter geht es durch das idyllische Lochbachtal auf ebenem Weg weiter Richtung Zams. Der Wanderweg führt an einem sanft plätscherndem Bach entlang, gerahmt von schönen Berghängen zu beiden Seiten. Die Abwesenheit jeglichen menschengemachten Lärms durch Autos oder sonstigen Gefährts lässt einen die Stille der Berge genießen. Nur die Füße können einen in dieses schöne Tal bringen, so dass in Konsequenz nur wenige Wanderer anzutreffen sind.

Durch die Schlucht des Zammer Lochs

Schließlich erreichen wir ein kleines Waldstück und überqueren den Bach. So langsam machen die Füße bereits auf sich aufmerksam und melden nicht mehr allzu weit gehen zu wollen. Aber die Füße können noch lange nicht hochgelegt werden. Nach einem kurzen Abschnitt über saftig grüne Wiesen vorbei an Almen erreichen wir das Zammer Loch. Die Landschaft erinnert uns sofort an die wunderbare Wanderung durch die Ruta del Cares in Nordspanien. Auf schmalem in den Fels gesprengten Pfad geht es mäßig absteigend weiter durch die Schlucht.

Die Umgebung ist sehr beeindruckend und würde man nur hier heute entlang wandern, gäbe es sicher eine Top Bewertung für die 3. Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams. Aber die Füße wollen nicht mehr weiter gehen, geschweige denn abwärts und so kommt es, dass die folgenden Stunden in negativer Erinnerung bleiben. Nur die Fotos beweisen später, wie schön es hier ist und das es objektiv keinen Grund gäbe, diesen Weg zu verteufeln.

In unfassbar vielen Kehren schlängelt sich der Weg abwärts. Steil ist es aber nur an wenigen kurzen Abschnitten. Die schönen Ausblicke von verschiedenen Blickwinkeln sind toll und ich versuche positiv zu denken. Hannes schimpft aber immer mehr rum. Heute bereut er die Entscheidung zu Fuß über die Alpen zu gehen. Aber nur für ein paar Stunden.

Das unerreichbare Örtchen Zams

Schließlich sehen wir Zams und es erscheint schon ganz nahe, aber das täuscht, denn wir sind unfassbar weit oben. Und so folgt der nie endenwollende Abstieg über gefühlte 1000 Serpentinen. Die Aussicht, bald die vielbefahrene Autobahn und eine Stadt zu erreichen, macht es nicht gerade besser. Meine Zehen tun jetzt langsam richtig weh und sehnen sich nach geradem Weg und sogar nach einem Aufstieg. Kein Wunder, denn insgesamt geht es auf der 3. Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams mehr als 1.900 Höhenmeter runter. Ab diesem Zeitpunkt bleibt es für die weiteren Etappen stets angenehmer bergauf zu wandern als abwärts.

Autolärm bis zur Venetbergbahn

Irgendwann erreichen wir dann Zams. Wir überqueren die Autobahn über eine Brücke und müssen dann noch von der einen zur anderen Seite der Stadt. Es herrscht viel Verkehr und es ist laut. Unfassbar wie schnell man sich an die stille Bergwelt gewöhnt und diese zu schätzen weiß. Der Weg bis zur Venetbergbahn kommt uns nach den gelaufenen Kilometern auch unendlich weit vor. Gegen 16 Uhr kommen wir an.

Um 17 Uhr fährt die letzte Bergbahn und bringt uns bis zur Mittelstation des Venetbergs. Das Ticket bis zur Mittelstation kostet inzwischen 13,50 EUR (September 2019). Im Internet hatte ich vorher noch Preise von 8 EUR gelesen. Auf Grund der Beliebtheit des E5 hat man wohl auch hier die Preise mächtig angezogen. Als die Verkäuferin an der Kasse erzählt, man könne auch ein Kombiticket kaufen und am folgenden Tag für zusätzliche 4 EUR bis zur Bergstation fahren und so nicht nur 2,5 Kilometer Weg sondern auch 400 Höhenmeter umgehen, schlagen wir zu. So wie alle weiteren Mitwanderer, die auf die Bergbahn warten.

Hinauf zur Skihütte Zams

Bei der vorherigen Recherche zum E5 gingen wir davon aus, dass wir bis zur Mittelstation noch wandern werden, denn die Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams hat „nur“ etwas über 17 Kilometer. Und schließlich zählt „mit der Bergbahn fahren“ ja unter Schummeln. Es reicht ja schon, dass man Abschnitte mit dem Bus zurück legen muss. Bei einem Fernwanderweg hatte man irgendwie gehofft, nur zu wandern. Daran war jetzt nicht mehr zu denken und wir, und augenscheinlich auch alle Mitwanderer, sind heilefroh, in der Bergbahn zu sitzen und die Höhenmeter im Fluge zu überwinden.

Unerwarteter Hüttenluxus

Angekommen in der Skihütte Zams haben wir mit dem E5 Wohlfühlpaket die komfortabelste Übernachtung der Alpenüberquerung. Es gibt frische Bettwäsche und im Mehrbettzimmer ein eigenes Bad für „nur“ 4 Leute mit unbegrenzt warmem Wasser ohne Duschmarken. Zum Abendbrot gibt es Buffet bis man satt ist und zum Frühstück Brötchen statt trockenem Schwarzbrot auf den anderen Hütten. Welch Luxus man doch sonst jeden Tag genießt.

Endlich wieder in der Stille der Berge

Der Sonnenuntergang ist wunderschön und wir genießen den Ausblick auf das Örtchen Zams bei Nacht, dass jetzt still und ruhig zu sein scheint. Bloß gut, dass wir wieder in der Stille der schönen Berge übernachten können.  Also genügend Zeit um sich von der 3. Etappe – Memminger Hütte zur Skihütte Zams zu erholen und neue Kraft zu sammeln. Und Morgen früh geht es mit der Bahn zur Bergstation des Venetbergs. In freudiger Erwartung hoffen wir, dass die 4. Etappe dadurch nicht allzu anstrengend wird.

Länge in
km
Dauer in
Std.
HöhenmeterSchwierigkeitBewertung
(1-5, 1 Schlecht , 5 Perfekt)
17,37,75501 (hoch);
1.900 (runter)
schwer3,5

Wandererwertung:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00)

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